„Es ist eine geistreiche und ironische Sittenkomödie“,
sagt Armin Holz über das Stück „Ein idealer Gatte“,
mit dessen Inszenierung sich der Regisseur am Samstag, den 25.02.06 in Bochum
vorstellen wird. Seit August 2005 ist Holz Hausregisseur und Mitglied der
Künstlerischen Leitung des Schauspielhaus Bochum. Nach seiner ersten
Inszenierung „Bunbury“ – seiner Abschlussarbeit an der Münchner
Otto-Falckenberg-Schule 1988 – und „Salome“ – einer
Eigenproduktion, die er 2003 in der Probebühne Cuvrystraße in Berlin
realisierte – setzt er in Bochum seinen dritten Oscar Wilde in Szene.
„Das Stück habe ich schon lange mit mir herumgetragen“, meinte
Holz zu Probenbeginn. Was ihn besonders an Wilde reizt, ist seine Eleganz,
sind seine Pointen, die mitten ins Leben hineintreffen, ist seine unglaubliche
Kenntnis des Lebens, seine große Liebe zum Leben gepaart mit Bitterkeit
und Sarkasmus. Für seine Bochumer Inszenierung hat Holz zusammen mit
Richard Gardner „An Ideal Husband“ neu übersetzt.
Oscar Wilde zeigt in „Ein idealer Gatte“ die
Divergenz zwischen Schein und Sein in den Denk- und Verhaltensmustern der
Viktorianischen Ära und enthüllt die Fadenscheinigkeit eines Gesellschaftskodex
mit all seinen Normen, Rollenspielen und Illusionen. Er beweist mit diesem
Stück einen trefflich scharfen und stechenden Blick auf gesellschaftliche
Zwänge und bigotte Moralvorstellungen nicht nur seiner Zeit. Uraufgeführt
wurde „An Ideal Husband“ am 3. Januar 1895 im Theatre Royal Haymarket
in London.
Dreh- und Angelpunkt der Handlung sind verhängnisvolle
Affären: Die intrigante Mrs. Cheveley erpresst den aufstrebenden Unterstaatssekretär
Sir Robert Chiltern mit einem Brief aus dessen Vergangenheit. Sie weiß,
dass seine Karriere einst mit einem Insidergeschäft begann und droht
nun, ihr Wissen zu veröffentlichen. Als Cheveley das Geheimnis seiner
Ehefrau verrät, bricht für die prinzipientreue Lady eine Welt zusammen.
Chilterns Freund, der heiratsresistente Lord Goring, versucht, Robert zu helfen.
Er droht Mrs. Cheveley, mit der auch er eine Vergangenheit hat, als Diebin
zu entlarven. Und plötzlich steht Intrige gegen Intrige…
Oscar Wildes Thema, im Spannungsfeld von persönlichen
Interessen und gesellschaftlichen Ansprüchen mit Verantwortung korrekt
umzugehen, ist in jeder Zeit aktuell. „Doch direkte Bezüge zu Tagesaktuellem
lassen sich in meiner Inszenierung nicht wieder finden“, sagt Holz.
Ihm geht es darum, große menschliche Schicksale zu zeigen.
„In Bochum arbeite ich mit großartigen,
kostbaren Schauspielern“, sagt Armin Holz über die Besetzung des
„Idealen Gatten“. Jeanette Hain übernimmt die Rolle der Mrs.
Cheveley. In Holz’ Inszenierung „Salome“ in Berlin spielte
sie die Hauptrolle. Im Fernsehen (Sat1) war die Schauspielerin zuletzt in
der Serie „Bis in die Spitzen“ zu sehen. Nach zwölf Jahren
Theaterabstinenz steht Sebastian Koch wieder auf der Bühne. In Film und
Fernsehen machte er sich vor allem mit seiner Darstellung von historischen
Persönlichkeiten (u.a. Andreas Baader in „Das Todesspiel“;
Klaus Mann in „Die Manns“; Albert Speer in „Speer und Er“)
einen Namen. In „Ein idealer Gatte“ spielt Koch den Dandy Lord
Goring. Holz und Koch kennen sich seit Studentenzeiten an der Otto-Falckenberg-Schule.
Die Rolle des Sir Robert Chiltern übernimmt Markus Boysen, der an großen
Theatern wie dem Bayerischen Staatsschauspiel, dem Deutschen Theater Berlin,
dem Deutschen Schauspielhaus in Hamburg, am Burgtheater, an den Münchner
Kammerspielen und am Thalia Theater in Hamburg engagiert war und aus zahlreichen
Fernsehproduktionen (u.a. „Speer und Er“, „Im Schatten der
Macht“) bekannt ist. Imogen Kogge, seit Sommer Ensemblemitglied des
Schauspielhaus Bochum, ist die korrekte Lady Chiltern. Lord Gorings Vater,
Lord Caversham, wird von Hans Diehl gespielt. Claude De Demo gibt die kokette
Miss Mabel Chiltern. Des Weiteren stehen Margit Carstensen, Veronika Nickl,
Josefin Platt, Michael Lippold, Jaschar Sarabtchian und Cornelius Schwalm
auf der Bühne.
Die Filmausstatterin Heike van Bentum hat zusammen mit Armin
Holz das Bühnenbild entworfen. Die Kostüme stammen von Esther Walz,
die in den letzten Jahren Kostüme für Filme u.a. von Wim Wenders,
Oskar Roehler („Elementarteilchen“) und Jean-Jacques Annaud („Der
Name der Rose“) kreiert hat. Der Jazz-Sänger Philipp Weiss, der
jüngste Star der Jazzszene, hat die Bühnenmusik komponiert.
Armin Holz, 1962 in Krefeld geboren, studierte Theaterwissenschaft
und Kunstgeschichte an der Universität Wien (1983-1985) und Regie an
der Otto-Falckenberg-Schule in München (1985-1989). Während seiner
Studienzeit assistierte er bei Peter Zadek am Deutschen Schauspielhaus in
Hamburg. „Bunbury“ von Oscar Wilde setzte er in einem Gewächshaus
in München-Moosach in Szene. Er inszenierte am Deutschen Theater Berlin
(„Wunderworte“ von Ramón del Valle-Inclán, 1992)
und am Staatstheater Hannover („Die falsche Zofe“ von Marivaux,
1996). Als Eigenproduktionen realisierte er 1991 Alfred de Mussets „Man
spielt nicht mit der Liebe“ in einem Zelt vor dem Schloss Lüntenbeck
bei Wuppertal, 2001 Jane Bowles „Im Gartenhaus“ in der Probebühne
Cuvrystraße, Berlin und 2003 ebendort Wildes „Salome“. 1997
wurde er mit dem Preis der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste
ausgezeichnet (Laudatio: Kurt Hübner).
Für die Premiere des „Idealen Gatten“
am Samstag 25.02. und für die zweite Vorstellung am 27.02. ist mit Restkarten
an der Abendkasse zu rechnen. Für die Vorstellungen im März (4., 7.,
11., 23., 24., 30., 31.) können Karten an der Theaterkasse telefonisch
unter 0234/3333-5555 oder über den Monatss pielplan unter
www.schauspielhausbochum.de bestellt werden.
... Und der Körper rutscht in einem Wandschatten zum kauernden Punkt zusammen. Lord Goring: Sebastian Koch. Zwölf Jahre hat er -- im ...